MusikMittwoch: Bandvorstellung „ASP“

Musikmittwoch neu

Es ist schon wieder Mittwoch, Hump-Day, Buckeltag, Bergfest und somit Zeit für ein bisschen Musik auf Ricy’s Reading Corner 🙂

Heute möchte ich euch eine Band vorstellen, die ich seit fast 8 Jahren zu meinen Lieblingen zähle: ASP. Es ist meiner Meinung nach eine unglaublich literarische Band, weshalb viele Bücherwürmer sie bestimmt auch schon kennen und weshalb sie auf jeden Fall auf meinen kleinen Blog hier gehört 🙂

ASP ist eine Gothic Rock Band die sich 1999 um den Sänger Axel Spreng gründete, der mit seinem Spitznamen auch der Band ihren Namen gab.
Die ersten fünf Alben der Band bilden den „Zyklus des Schwarzen Schmetterlings“. Also quasi eine Geschichte, die in fünf ganzen Konzept-Alben erzählt wird.  Dies brachte der Band auch die Genre-Bezeichnung „Gothic Novel Rock“ ein, die von Asp selbst vorgeschlagen wurde. Denn das ist der Zyklus des Schwarzen Schmetterlings: eine schaurig-romantische Horrorgeschichte, von der sich so mancher Horror-Autor noch einiges abgucken könnte.

Der Zyklus des schwarzen Schmetterlings handelt von einer Person, der literarischen Figur „Asp“, die mit einer inneren Stimme bzw. einem anderen Teil ihres Ichs zu kämpfen hat, dem schwarzen Schmetterling, der das Böse oder Triebhafte im Menschen darstellt. Handlungsort ist der „Dunkle Turm“, der wahrscheinlich für die Tiefe der Seele Asps steht, in die er immer weiter hineingezogen wird, sich „verpuppt“ und immer mehr zum schwarzen Schmetterling wird.
Zwischen den einzelnen Liedern sind immer wieder reine Textpassagen eingebaut, Monologe, die Asp mit seiner unglaublich tiefen und eindringlichen Stimme vorließt und es auch nach mittlerweile tausendfachem Hören schafft, dass ich jedesmal eine Gänsehaut bekomme.

Nachdem dieser Zyklus beendet war veröffentliche die Band den Krabat-Liederzyklus eine Vertonung der Krabat-Geschichte von Ottfried Preußler.

Als wäre die Band auf ihren Alben nicht selbst schon literarisch genug vertont sie also hier gleich ein ganzes Buch. Zudem schreibt Asp auch Texte für eigene Bilderbücher und Comics.
Besonders gern mochte ich davon „Varieté Obscur“. Ein Bilderbuch das ich auch im Regal stehen habe. Es handelt von der mysteriösen Emma, die die Männer im Varieté Obscur verführt.

Nach dem Krabat-Zyklus ging es weiter mit dem Fremd-Zyklus.  Auf dessen zweiten Album findet sich das Lied „Löcher in der Menge“ welches durch die Arkadien-Reihe von Kai Meyer, inspiriert wurde.

Wie der Titel schon sagt handelt, geht es in den Lidern des Fremd-Zyklus immer um das Gefühl fremd zu sein, wie von einer anderen Welt. Besonders gerne mag ich vom ersten Album den Song „Rücken an Rücken“

Obwohl der Fremd-Zyklus noch nicht abgeschlossen wurde, schob die Band dann die zwei Konzept-Alben Verfallen 1 und 2 ein, die vom verfallenen Hotel Astoria handelt, das ein Eigenleben zu führen scheint.

Das nächste Album soll dann den Fremd-Zyklus  nochmal weiterführen.

Obwohl ich insgesamt immer seltener Musik aus der Gothic-Richtung höre, wird ASP irgendwie immer ein Teil von mir bleiben. Ich verbinde so viel Glück, Spaß, Traurigkeit und Wut (denkt euch so ziemlich alle Emotionen, die euch jetzt einfallen…) mit dieser Band. Egal wie ich mich fühle ASP geht einfach immer. Denn auch die Musik ist so unterschiedlich: da gibt es ruhige und unglaublich traurige Song, wütende Songs und solche, die vor Glück und Lebensfreude nur so sprühen…
Gemeinsam mit meiner besten Freundin habe ich seit 2010 kein Konzert in der Näher verpasst und ich könnte heulen, weil das diesjährige, Konzert mit dem sie ihr neues Album vorstellen werden, in unseren Island-Urlaub fällt. Im Herzen werde ich dabei sein!
Ich kenne keine andere Band, deren Musik für mich so tief geht, soviel Inhalt und Bedeutung hat. Asp sieht sich selbst als „Geschichtenerzähler“ und das ist er definitiv und noch mehr als das. Ich würde ihn als Philosoph beschreiben und für mich war er definitiv schon oft genug auch Therapeut :D…die Musik – ein Balsam für meine Seele!
Obwohl die Band nach der diesjährigen Tour erst einmal eine Pause angekündigt hat, die sie sich auf jeden Fall auch verdient haben, hoffe ich dass sie noch lange weiter existieren wird!
Hier noch ein paar meiner absoluten Lieblingslieder von ASP:

Etwas Fröhliches:

Etwas Trauriges:

Etwas sehr Politisches/Kritisches:

Und der absolute ASP-Klassiker der auf keinem Konzert fehlen darf „Ich will brennen“:

Ich könnte Wahrscheinlich ewig weiter machen…

Am besten seht ihr euch alles an, es ist es Wert!

OfficialTalesOfASP YouTube-Kanal

Viel Spaß beim Anschauen! Es lohnt sich wirklich!!

 

Eure Ricy

Montagsfrage: „Wenn du weder Buchverfilmung noch Buch kennst, was würdest du zuerst anschauen/lesen?“

Bei der heutigen Montagsfrage möchte Buchfresserchen von uns wissen, ob wir lieber zuerst das Buch lesen oder die Buchverfilmung schauen.

Ich habe mir selbst (eigentlich) die Regel auferlegt, IMMER zuerst das Buch zu lesen!

Erstmal möchte ich mich in meiner Fantasie nicht durch vorgegebene Bilder beeinflussen lassen und außerdem mag ich es, wenn ich einen Film sehe, schon gewisse Hintergrund-Informationen zu haben.

Es kommt aber natürlich trotzdem manchmal vor, dass ich zuerst den Film sehe. Das war zum Beispiel bei „Tribute von Panem“ so…Die Filme waren plötzlich überall und die Bücher sind irgendwie an mir vorbeigegangen…ich dachte  „ach das ist bestimmt wieder so ein Teenie Hype à la Twilight“ und hab mich zu dem Zeitpunkt irgendwie zu alt dafür gefühlt. Ich habe die Bücher bis heute nicht gelesen und finde das sehr schade. Die Filme fand ich nämlich klasse, wie müssen dann erst die Bücher sein? Aber ich kann mich einfach nicht dazu überwinden sie jetzt noch zu lesen…vielleicht iegwmswann , denn die Story finde ich echt großartig!

Ganz blöd ist es auch bei der Game of Thrones Reihe gelaufen. Ich habe die Bücher bis Band 4 (deutsche Ausgabe) gelesen und dachte mir dann ganz clever: dann kannste ja schonmal die ersten paar Staffeln gucken. Aber DANN liest du erstmal weiter! Ja Pustekuchen…wer die Serie kennt, weiß, dass man nicht erstmal ein paar Folgen/ Staffeln gucken und dann einfach aufhören kann, wenn es schon neue Folgen gibt… Und ruckzuck hatte ich dann den Punkt, bei dem ich in den Büchern war, überholt. Und jetzt finde ich die Bücher im Vergleich zur Serie einfach unglaublich langatmig und kam bisher nicht mehr weiter.

Es ist aber ja auch nicht immer ganz einfach an meiner Regel festzuhalten, da man ja oft erst auf die Bücher aufmerksam wird, wenn der Film beworben wird. Und ihn dann gefühlt jeder schon  gesehen hat…Manchmal findet man es sogar erst heraus, wenn man den Film selbst schon gesehen hat.

Das war bei mir z.B. bei Fight Club so…einer meiner absoluten Lieblingsfilme! Gesehen hab ich ihn das erste Mal mit 14 oder so…auf den Autor Chuck Palahniuk bin ich zwar auch über Fight Club aber erst viel später gekommen…er gehört seitdem zum einen Lieblingsautoren!

Auch bei dem Film „Vielleicht lieber morgen“ (Engl.: The perks of being a Wallflower) von Steven Chbosky war das so. Auch hier fand ich sowohl den Film als auch das Buch, das ich erst später entdeckt habe, unglaublich gut!

Es geht also auch umgekehrt…wenn ich aber von vornherein weiß, dass es Buch und Film gibt dann lese ich in der Regel zuerst das Buch.

Dabei fällt mir ein, dass ich „Into the wild“ noch lesen muss. Auch ein Lieblingsfilm von mir, bei dem ich erst später vom Buch erfahren habe.

Wie sieht’s bei euch aus? Erst Buch oder erst Film?

Was ist eure liebste Buchverfilmung??

Rezension: „The Girls“ – Emma Cline

„We all want to be seen.“ (The Girls – Emma Cline)

thegirls.jpg

Titel: „The Girls“
(Die Rezension bezieht sich auf die englische Ausgabe!)
Autorin: Emma Cline
Verlag: Random House (2016)
Seitenzahl: 355
Preis (Taschenbuch): 8,99€
ISBN: 978-0399591747 – Hier geht’s zum Buch!
In Deutschland erschienen bei: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG (2016)
Preis (gebundene Ausgbabe): 22,90€
ISBN:
 978-3446252684 – Hier  geht’s zum Buch!

Der erste Eindruck: 5Sterne


Die Story: 4,5sterne


Die Charaktere: 5Sterne


Die Erzähltechnik:4,5sterne


Der Schreibstil: 5Sterne


Die Aussage: 5Sterne


Titel und Cover:4Sterne


Mein Fazit: 4,5sterne 4,7 Sterne!

Die Story

Grob zusammengefasst fiktionalisiert Emma Clines Roman „The Girls“ in leicht abgewandelter Form die Geschichte der Hippie-Kommunen-Sekte „The Manson Family“, die dafür bekannt wurde, im Sommer 1969 einige grausame Morde in Kalifornien verübt zu haben.
Wer aber einen Psychothriller oder Ähnliches erwartet, liegt hier falsch!
Vielmehr ist es eine intensive, tragische und sehr feministisch angehauchte Coming-of-Age-Geschichte über ein junges Mädchen in den späten Sechzigern.

Protagonistin ist hier die 14-jährige Evie Boyd, die gelangweilt von den langen Sommertagen in ihrer wohlhabenden nordkalifornischen Heimat und getrieben durch ihr Verlangen nach Aufmerksamkeit offen für jede Art von Abwechslung und Anerkennung ist. Als sie dann im Park auf auf ein paar Mädchen aufmerksam wird, die einfach so anders als alle sind, denen Evie sonst so begegnet, ist dem Leser sofort klar, wohin das führen wird. Besonders zu der älteren und faszinierenden Suzanne fühlt sich Evie hingezogen und ist bereit, alles für ihre Aufmerksamkeit zu geben…

„I looked up because of the laughter; an kept looking because of the girls.
I noticed their hair first, long and uncombed. Then their jewelry catching the sun. The three of them were far enough away that I saw only the periphery of their features, but it didn’t matter – I knew they were different from everyone else in the parc […]
These long-haired girls seemed to glide above all that was happening around them, tragic and seperate. Like royalty in exile.“ (S. 3)

So beginnt der Roman und ich war sofort in der Atmosphäre gefangen. Ich konnte die Leere und die Langeweile Evies spüren und konnte ihre Faszination von den Mädchen sehr gut nachvollziehen.
Evies Eltern haben sich gerade getrennt und der Vater ist mit seiner jüngeren Assistentin zusammengezogen. Gemeinsam mit ihrer Mutter bewohnt sie nun noch das große Familienhaus, dessen Bau nur durch das Geld ihrer Großmutter, einem ehemaligen Filmstar, möglich war. Weder von ihrem Vater, noch von ihrer Mutter, die anfängt, sich mit immer neuen Männern zu treffen, die eigentlich nur auf ihr Geld aus sind und gefühlt jeden Tag einen neuen Lifestyle- oder Diät-Trend der späten sechsziger Jahre ausbrobiert, bekommt sie viel Aufmerksamkeit. Das einzige Gefühl das ihr zuteil wird, ist, dass sie durchschnittlich ist und das sei die größte Enttäuschung. Sie sei weder hübsch, noch schlau genug:

„…there was no shine of greatness on me. I wasn’t pretty enough to get the grades I did, the scale not tipping heartily enough in the direction of looks or smarts.“ (S. 35/36)

Und so verbringt sie die scheinbar endlosen Sommertage damit, mit ihrer besten Freundin Frauenzeitschriften durchzublättern, um herauszufinden, was sie tun, wie sie aussehen muss, um hoffentlich doch irgendwie Aufmerksamkeit zu erlangen.
„Wohlstandsverwahrlosung“ ist ein Begriff, den ich schon häufiger in unterschiedlichen Zusammenhängen gelesen habe und der, wie ich finde, Evies Situation perfekt beschreibt.
Somit ist es auch kein Wunder, dass sie sich so einfach zu Suzanne und der Gruppe hingezogen fühlt. Erst spät wird Evie das klar:

„No one had ever looked at me before Suzanne, not really, so she had become my definition.“ (S.348)

Bis ihr dies so bewusst wird geschieht einiges. Nach einem Streit mit ihrer Freundin Connie hat sie auf dem Nachhauseweg ein Fahrradpanne, als wie ein aufziehendes Unheil, der schwarze Bus der Gruppe auf sie zukommt. Die Mädchen im Bus, unter ihnen Suzanne, bieten ihr an, sie mitzunehmen und so kommt sie zum ersten mal auf die Ranch, die eigentlich unheimlich un heruntergekommen ist, auf Evie aber so exotisch und aufregend wirkt, dass sie den Ort am liebsten gar nicht mehr verlassen will. Und auch ich fühlte mich als Leser gleichzeitig abgestoßen und gefangen von der Atmosphäre.

Lagerfeuerstimmung, Drogen und die komplette Selbstaufgabe der Bewohner machen das Leben auf der Ranch aus und das alles unter der Anleitung des Anführers Russel. Er ist der typische Sekten-Guru, der genau weiß, wie er Evie ebenfalls in seinen Bann ziehen kann:

„‚There’s something in you‘, he said. ‚Some part that’s real sad. And you know what? That really makes me sad. They’ve tried to ruin this beautiful, special girl. They’ve made her sad. Just because they are.‘
I felt the press of tears.
‚But they didn’t ruin you, Evie. Cause here you are. Our special Evie. And you can let all that old shit float away.'“

Und so nimmt alles seinen Lauf. Evie verbringt immer mehr Zeit auf der Ranch, glaubt an die „größere Liebe“, die dort gepredigt wird und ist bereit alles dafür zu geben, Teil dieser Gruppe zu bleiben und ihre eigenen Gefühle hintenanzustellen. Alle Zweifel, die in ihr entstehen, wenn sie etwas sieht, das für sie nicht zu dieser Vorstellung passt, werden von ihr selbst im Keim erstickt. Als Russel z.B. ein Mädchen schlägt, sagt sie sich, dass dies bestimmt einen größeren Grund hat. Schnell hat auch sie Russel auf eine göttliche Ebene emporgehoben. Doch der hauptsächliche Grund, weshalb es sie immer wieder zur Ranch zurückzieht ist Suzanne. Die faszinierende junge Frau, die ihr endlich das Gefühl gibt, jemand zu sein, in der aber auch dunkle Abgründe lauern.

Obwohl der Rahmen der Handlung auf einer wahren Begebenheit beruht und somit nicht viel Fantasie bedurfte, schafft Emma Cline es meiner Meinung nach hier ein ganz besonderes Meisterwerk daraus zu basteln. Sie nutzt die grausame Geschichte, um anhand dessen die grausame Realität des Erwachsenwerdens eines jungen Mädchens in den Sechzigern zu beschreiben, in einer Welt, in der Mädchen entweder sehr schlau oder sehr hübsch sein müssen und in der sie sich nur durch ihre Wirkung auf vorwiegend männliche Mitmenschen definieren. Den minimalen Abzug gibt es für die Rahmenhandlung, in der Evie Boyd aus der heutigen Sicht als Frau mittleren Alters auf die Geschehnisse zurückblickt. Dieser Teil hätte für meinen Geschmack noch etwas mehr ausgebaut werden können. Ich hätte z.B. gerne gewusst, wie es ihr genau in der Zwischenzeit ergangen ist.

Die Charaktere

Die Charaktere sind in diesem Roman meiner Meinung nach sehr gut durchdacht und dargestellt. Vor allem die Protagonistin Evie finde ich sehr interessant. Ihre Zerrissenheit zwischen ihren beiden Leben ist unheimlich gut spürbar. Einerseits weiß sie, dass einiges falsch ist, was auf der Ranch so läuft, andererseits ist sie schon so davon vereinnahmt, dass sie es schafft, sich immer wieder selbst von ihren Zweifeln abzulenken. So sehr ist auf die Anerkennung und die Aufmerksamkeit besonders von Suzanne angewiesen.
Ich könnte nicht wirklich sagen, was Evie als Menschen ausmacht, aber genau, das ist es eben was sie ausmacht. Sie ist ein unsicheres junges Mädchen, das sich selbst noch gar nicht richtig kennt, das nur für die Aufmerksamkeit anderer lebt. Sie tut Dinge, um eine bestimmte Wirkung auf andere zu erzielen und deshalb ist sie auch so leicht beeinflussbar von einer Sekte, die darauf abzielt, das Ego der Anhänger auszuradieren. Endlich muss sie nicht mehr irgendwie sein, sondern gehört einfach dazu.
Auch über Suzanne erfahren wir an sich nicht viel, außer dass sie einen starken Eindruck auf Evie hinterlässt. Sie scheint irgendwie schön zu sein, wenn auch nicht hübsch im herkömmlichen Sinn. Wie alle Mädchen der Gruppe hat sie für Evie eine Ausstrahlung auf anderer Ebene.
Besonders bei Suzanne erkennt Evie aber auch schnell einen dunklen Abgrund, den sie nicht näher fassen kann, über den sie aber auch schnell wieder hinwegsieht, sobald Suzanne ihr wieder ihre Zuneigung zukommen lässt. Ich war mir selbst manchmal unsicher, ob Suzanne nicht vielleicht als einzige in der Lage war, das alles eher zu durchschauen. So bekam man manchmal das Gefühl, dass sie Evie schützen wollte, vor dem was da kam, auch wenn dies von ihr nicht so aufgefasst wurde. Das würde jedoch auch implizieren, dass sie bei ihren Taten zurechnungsfähiger als die anderen war. Etwas worauf der dunkle Abgrund den Evie manchmal in ihr zu erkennen glaubt, hindeutet?
Russel spielt eher hintergründig eine Rolle. Er ist zwar derjenige, der den Lauf der Geschichte lenkt, doch tatsächlich verführt, sich auf diese Gruppe einzulassen, wird Evie nicht von einem Guru sondern von Suzanne.
Besonders gut und sehr kontrastreich zu der Welt der Ranch dargestellt, finde ich auch Evies Mutter, die ebenfalls irgendwie auf Sinnsuche zu sein scheint und ihren Vater, der scheinbar sehr lieb, aber auch einfach mit seiner Vaterrolle überfordert zu sein scheint. Auch seine neue Freundin Tamar hinterlässt einen starken Eindruck auf Evie. Zuerst findet sie sie faszinierend, dann langweilig, da sie für sie zu der nach klaren Regeln lebenden Welt gehört, die Russel so verpönt, dann wieder interessant und sympathisch, da sie merkt, dass auch bei ihr mehr hinter der Fassade steckt. Daran wie die einzelnen Figuren auf Evie wirken, wird auch ihre Entwicklung deutlich. Die Zeit auf der Ranch versetzt sie plötzlich in die Lage andere zu beurteilen, statt immer nur das Gefühl zu haben, selbst beurteilt zu werden.

Die Erzähltechnik

…bekommt von mir auch einen halben Stern Abzug, da ich wie gesagt, die Rahmengeschichte nicht ausgefeilt genug fand. In dieser trifft Evie auf ein junges Mädchen, auf das sie ihre Gefühle von damals überträgt. Das hat mir eigentlich gut gefallen, da es die Problematik nochmal verdeutlicht und auch auf die heutige Zeit überträgt, doch fehlen mir wie schon beschrieben ein paar Punkte.
Interessant ist durch diese rückblickende Erzählung, dass die Geschichte immer wieder mit Vorahnungen gespickt ist, die Evie aus ihrer heutigen Sicht erkennt. Das verleiht dem Ganzen unheimlich viel Spannung.

Der Schreibstil

Den Schreibstil finde ich sehr schön und atmosphärisch. Man hat tatsächlich das Gefühl bekommen, dass zwei Parallelwelten existieren, in denen sich Evie abwechselnd aufhält. Die der Ranch und die andere Welt. Sobald die Gruppe irgendwie in der richtigen Welt auftaucht, waren sie irgendwie ein Störfaktor, als der sie ja auch tatsächlich wahrgenommen wurden, auch schon bevor es zu den Gewaltverbrechen kam.

Die Aussage

…lässt sich wie ich finde sehr gut mit einem Zitat zusammenfassen, das mir stark in Erinnerung geblieben ist:

„I waited to be told, what was good about me.
I wondered later if this was why there were so many more women than men at the ranch. All that time I had spent readying myself, the articles that taught me life was just a waiting room until someone noticed you – the boys had spent that time becoming themselves.“  (S. 28)

Es ist ein sehr feministisches Buch, das anklagt, wie sehr Mädchen in ihrer Entwicklung dadurch beeinflusst werden, dass sie immer wieder lernen, wie wichtig ihre Wirkung auf andere ist. Das es genau das sei, was sie ausmacht. Man könnte jetzt meinen, dass es sich besonders auf die Rolle der Frau in den späten Sechzigern bezieht, doch das wird dadurch etwas zurückgenommen, dass die Rahmenhandlung in der heutigen Zeit spielt und Evie dort auf ein Mädchen trifft, das ebenfalls in der Misere steckt, nicht genug Aufmerksamkeit von ihrem männlichen Begleiter zu erfahren, aber bereit ist, alles dafür zu tun.

Die Aussage geht sogar soweit, dass dieses Gefühl nicht richtig beachtet zu werden, der verzweifelte Wunsch gesagt zu bekommen, wer man ist und was man tun muss, um Anerkennung zu erfahren, Mädchen in die Fänge einer Sekte treiben kann, da diese genau damit arbeiten, dieses Verlangen zu stillen.

Für mich ist das eine großartige und erschreckend verpackte Aussage!

Titel und Cover

Der kurze und prägnante Titel gibt auf einfache Weise das Thema des Buches wieder. Es geht um „Mädchen“. Inhaltlich natürlich um die Mädchen der Sekte, die immer nur als „The Girls“ zusammengefasst werden und die auf den medial-geschichtlich geprägten Begriff der Manson-Girls anspielen: diese schwer begreifbare Gruppe junger Mädchen, die bereit waren im Auftrag ihres Gurus zu morden.

Doch weiter gefasst spielt der Titel eben auch auf das eigentliche Thema des Buches an: Mädchen, junge Frauen und ihre Probleme bei der Identitätsfindung.
Das Cover gefällt mir durch die starken Farben nicht so gut, dennoch muss ich sagen, dass der durch die Sonnenbrille verborgene Blick der Frau ebenfalls gut zum Thema passt. Man wird von ihr beobachtet, vielleicht heimlich beurteilt…

Fazit

Ich halte „The Girls“ für einen sehr gelungenen Coming-of-Age-Roman mit einer spannenden Handlung. Durch Evies Geschichte wird sehr gut verdeutlicht, welche Gefahren dadurch entstehen können, dass junge Frauen irgendwie durch die Gesellschaft beigebracht bekommen, sich über die Meinung anderer zu definieren. Durch die Rahmengeschichte über die grausamen Manson-Morde wird das Ganze unheimlich und spannend verpackt, sodass die Kritik für mich gefühlt nicht wie so oft mit erhobenem Zeigefinger sondern eher unterschwellig daherkommt.
Auch werden in dieser Problematik nicht die Männer hauptsächlich verantwortlich gemacht, obwohl Russel, die Sekte überhaupt erst geschaffen hat und auch die Morde in Auftrag gibt.
Denn es sind hier die anderen jungen Frauen, von denen Evie Aufmerksamkeit will. Frauen die wie sie hoffen gesagt zu bekommen, wer sie sein sollen oder was gut an ihnen ist und somit dafür sorgen, dass eine solche Sekte überhaupt erst existieren kann.
Suzanne ist es, die sie dazu verführt, immer wieder auf die Ranch zurückzukehren. Das zeigt, dass es sich dabei auch um ein Problem von Frauen untereinander handelt nicht nur in ihrer Beziehung zu Männern. Das macht die Aussage meiner Meinung nach auch heute noch sehr viel relevanter!

Ich kann dieses Buch wirklich jedem empfehlen, für mich war es ein weiteres Lesehighlight dieses Jahr! 4,7 Sterne!!

 

Rezension: „Perfect – Willst du die perfekte Welt?“ – Cecilia Ahern

(Achtung!! – Es handelt sich hierbei um den zweiten Teil einer Reihe. Für alle, die Teil 1 noch nicht gelesen haben, enthält diese Rezension eventuell Spoiler!!)

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Titel:
 Perfect – Willst du die perfekte Welt? (Teil 2)
(Teil 1: Flawed – Wie perfekt willst du sein?)
Autorin: Cecilia Ahern
Übersetzerin: Christine Strüh
Verlag: FISCHER FJB (17. November 2016)
Seitenzahl: 480
Preis: 18,99€ (Hardcover); 14,99 (eBook)
ISBN: 978-3841422361

Hier geht’s zum Buch.

 

Der erste Eindruck: 4,5sterne
Die Story: 4Sterne
Die Charaktere: 3sterne
Die Erzähltechnik:3sterne
Der Schreibstil: 2,5Sterne
Die Aussage: 4,5sterne
Titel und Cover:4Sterne
Mein Fazit:  3,5Sterne3,6 Sterne

 

Inhalt

Celestine hat die Gnadenlosigkeit der Gilde am eigenen Leib erfahren.
Sie wurde gebrandmarkt, weil sie sich weigerte, ihre Menschlichkeit als Fehler darzustellen.
Doch anstatt sich nun den Regeln für Fehlerhafte zu unterwerfen und ein Leben als Mensch zweiter Klasse unter der ständigen Aufsicht ihrer Whistleblowerin zu führen, flieht sie und merkt schnell, dass sie nicht die Einzige ist, die dem System entwischt ist.
Bei ihrer Flucht hilft ihr Carrick, der Junge, der in Highland Castle die Zelle neben ihr bewohnt hat und der ungeplant Zeuge ihrer besonders grausamen Brandmarkung geworden ist.
Gemeinsam mit anderen Geflüchteten versuchen die Beiden nun alles in ihrer Macht stehende zu tun, um die Gilde zu stürzen. Und sie haben noch ein Ass im Ärmel. Eines das zeigen kann, dass die Gilde selbst fehlerhaft ist.

Meine Meinung

Der zweite Teil von Cecilia Aherns Dystopie behält definitiv die ständige Spannung seines Vorgängers bei und beginnt direkt mit einem kurzen Schockmoment. Dem Leser wird also sofort klar in welche Gefahr sich Celestine mit ihrer Entscheidung, sich gegen die Gilde zu wenden und zu fliehen, gebracht hat und wie schnell alle Hoffnung vorbei sein könnte.
Wieder einmal habe ich das Buch verschlungen und wollte es kaum aus der Hand legen.
Celestine wird als Galionsfigur für „Die Sache der Fehlerhaften“ genutzt und durch ihre unverhältnismäßig harte Bestrafung und Verfolgung durch die Gilde und besonders Richter Crevan keimt in der Gesellschaft langsam Misstrauen bzw. Unverständnis dem System gegenüber. Dieser langsame Wandel und die immer wieder eingebauten Hinweise darauf, dass längst nicht jeder die Gilde unterstützt, haben mir gut gefallen.

Doch leider behielt Teil zwei auch die meiner Meinung nach eher oberflächliche Charakterdarstellung und die sehr erklärende Erzählweise aus Celestines Sicht aus Teil 1 bei. Zweiteres fand ich in diesem Teil sogar noch stärker ausgeprägt. Ich glaube man hätte „Flawed“ gar nicht zuerst lesen müssen, um genau zu wissen was passiert ist, und wie Celestine das alles empfunden hat und welche Bedeutung das für den Verlauf der Geschichte hatte. Denn in ihren Monologen wird es immer wieder wiederholt.

Auch die Liebesgeschichte zwischen Celestine und Carrick empfand ich weiterhin als sehr wenig authentisch. Bis zum Ende habe ich mich gefragt, was die Beiden eigentlich aneinander mögen. Carrick wollte Celestine (wenigstens zuerst) offensichtlich nur finden, weil sie sich als sehr wertvoll für die „Sache der Fehlerhaften“ erwies. Und Celestine fühlt sich irgendwie mit ihm verbunden, weil er bei ihrer Brandmarkung dabei war und sie immer wieder aus ausweglosen Situationen rettet. Mehr ist da für mich nicht, außer dass Celestine irgendwie Mitleid für ihn empfindet, als sie mehr über seine Vergangenheit erfährt. Celsetine schwankt sogar weiterhin immer wieder zwischen ihren Gefühlen für Carrick und denen für Art, ihren Ex-Freund und Richter Crevans Sohn, der scheinbar die Seiten gewechselt hat…oder auch nicht…
Celestine bleibt für mich daher weiterhin ein sehr sprunghafter Charakter, den ich bis zum Ende nicht ganz durchschaut habe. Obwohl die ganze Geschichte aus ihrer Ich-Perspektive erzählt wird, könnte ich nicht genau sagen, was sie als Mensch ausmacht. Ja sie ist stark, das muss sie ja auch sein, in Anbetracht der Situation, in die sie verwickelt ist. Ansonsten bleibt es bei den Erklärungen ihres Charakters, die jedoch wie ich finde nicht authentisch gezeigt werden.
Carrick bleibt für mich ähnlich flach. Wie schon in meiner Rezension zu „Flawed“ beschrieben, bleibt er führ mich das Klischee des großen, schweigsamen Retters, mit einer schlimmen Vergangenheit – ein Stereotyp, der die Romanwelt vor allem im Young Adult Genre heutzutage förmlich überschwemmt.

Man erfährt in diesem Teil endlich etwas mehr über die Geschichte der Gilde, allerdings nur, dass sie irgendwie eine Übertragung der Erziehungsmethoden von Crevans Vater zu sein scheint. Was mir jedoch immer noch fehlt, ist die Beantwortung der Frage, wie Crevan (oder sein Vater vor ihm) denn überhaupt an die Macht gekommen ist. Nur weil ein Vater sagt: „Hey, ich Erziehe meine Kinder, indem ich sie für ihre Charakterfehler demütige – das könnten wir doch mal auf die ganze Gesellschaft übertragen!“, macht ja nicht gleich jeder mit.
Außerdem frage ich mich weiterhin, was das Ausland dazu sagt. Wir erfahren, dass es dieses System nur in Highland gibt, im Ausland könnten die Fehlerhaften frei leben. Wir erfahren auch, dass sich die Position Highlands in der Weltwirtschaft seit der Einführung des Fehlerhaften-Systems laut Gilde-Propaganda extrem verbessert habe. Eigentlich schwer vorstellbar, werden Staaten, die die Menschenrechte missachten doch von der freien Welt (vertreten durch die UNO) eher sanktioniert…
Das sind kleine Logiklücken, die mich an der Story gestört haben.

Neben dem wirklich gut aufgebauten Spannungsbogen, gefällt mir aber besonders die Aussage, die dieses Buch vor allem durch sein Ende hat und die durch den Titel Perfect meiner Meinung nach noch einmal hervorgehoben wird.

Eigentlich ist Celestine laut Gilde von einem perfekten Menschen zu einem Fehlerhaften geworden. Die Titelfolge deutet aber eine andere Reihenfolge an. Celestine ist durch ihre Fehler perfekt geworden?
Das ist die Aussage des Buches: Menschen machen Fehler und lernen daraus, werden dadurch zu besseren Menschen. Ein System, das Fehler verbietet oder als etwas Verwerfliches darstellt, um eine „perfekte Gesellschaft“ zu erschaffen, ist also in sich fehlerhaft.
Diese Aussage ist sehr logisch und als Celestine diese vor Highland Castle in einer Rede vertritt, zeigt sie tatsächlich ihr logisches Denken, dass sie zuvor immer wieder beschrieben hat: Indem sie es als logischen (und menschlichen!) Prozess darstellt, Fehler zu machen, um zu erkennen, was funktioniert und was nicht und es beim nächsten Mal besser machen zu können. Zudem können Fehler auch Stärken sein. Nur weil eine Charaktereigenschaft von einem als Schwache aufgefasst wird, heißt es, dass diese nicht in einem anderen Licht betrachtet auch eine Stärke sein kann.

Diese Aussage finde ich richtig toll und zudem noch verpackt in einer spannenden Story. Schön hätte ich gefunden, wenn die Fehlerhaften, die wir im Buch kennen lernen nicht nur eher irrelevante Fehler gemacht hätten bzw. solche, die nur in den Augen der Gilde schlimm sind. Wenig berücksichtigt wird hier, dass man als Mensch auch wirklich schlimme Fehler macht, die man tatsächlich aus tiefstem Inneren bereut und die trotzdem etwas Gutes hatten, nämlich, dass man sie nicht noch einmal macht. Es reichte mir aber auch so vollkommen als Denkanstoß – wie ihr seht!
Obwohl mich der Schreibstil und der Erzählstil, sowie die Ausarbeitung der Charaktere wie schon beim Vorgänger nicht so gut gefallen haben, kann ich dieses Buch definitiv weiterempfehlen!

3,6 Sterne!

 

 

 

 

Montagsfrage: Welche 5 Bücher würdest du jetzt auf eine Reise mitnehmen?

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Und da ist er schon wieder…der Montag. Er hat schon super angefangen indem ich, nachdem ich die halbe Nacht wegen des Gewitters wach war, heute morgen merkte, dass ich keinen Kaffee mehr zuhause habe …ich kann euch nicht sagen, wann ich das letzte mal morgens ohne Kaffee aus dem Haus gegangen bin!

Nachdem ich den Tag nun mehr oder weniger gut (mit kurzen Sekundenschlafphasen mit dem Kopf auf dem Schreibtisch) überstanden habe freue ich mich nun auf die heutige Montagsfrage von Buchfresserchen: Welche 5 Bücher würdest du jetzt auf eine Reise mitnehmen?

Erst mal muss ich sagen, ich würde tatsächlich JETZT gerne auf Reise gehen oder wenigstens Urlaub haben, aber beides lässt bei mir noch bis Oktober auf sich warten…aber dann geht es nach Island!!! Und da ich mich jetzt schon mental und emotional durch isländische Musik und Literatur darauf vorbereite, wäre Buch Nummer 1 das ich mitnehmen würde „Abgründe“ von Arnaldur Indridason  – ein Island-Krimi der schon länger auf meinem SuB liegt.

Bei meiner Buchauswahl für Reisen ist es mir immer sehr wichtig, dass viel Abwechslung drin ist. Nichts ist schlimmer als gerade im Urlaub ein Buch lesen zu müssen, auf das man gerade gar keine Lust hat. Deshalb ist Buch Nummer 2, das ich mitnehmen würde ein Liebesroman: „Vom Inder, der mit dem Fahrrad bis nach Schweden fuhr um dort seine große Liebe wiederzufinden: Eine wahre Geschichte“ von Per. J. Andersson – auch ein Buch, das bereits auf meinem SuB liegt.
Die Geschichte beginnt in Indien und ich habe selbst ganz tolle Reiseerinnerungen an dieses Land. Außerdem ist das Cover so schön sommerlich – würde ich also JETZT im Sommer verreisen, wäre es die perfekte Reiselektüre.

Hätte ich viel Zeit (sehr viel Zeit!) auf meiner Reise, dann würde ich zudem „Die geheime Geschichte“ von Donna Tartt und „Die Stadt der Träumenden Bücher“ von Walter Moers mitnehmen…beides Bücher meines SuBs die ich unbedingt lesen will und die ich jedesmal wenn ich ein anderes Buch ausgelesen habe in die Hand nehme…bisher hat mich jedoch der Umfang der Bücher (viele Seiten und sehr eng bedruckt) immer wieder abgeschreckt…im Urlaub hätte ich vielleicht mal Zeit und Muße dafür.

Alleine durch diese zwei Bücher bräuchte ich wahrscheinlich nicht auch noch ein fünftes und hätte mein Gepäckgewicht sowieso längst überschritten, aber gefragt sind fünf, also sollen es fünf sein! Das fünfte Buch, das ich mitnehmen würde wäre „Looking for Alaska“ von John Green auch so eine SuB-Leiche und ich kann nicht mal erklären warum, die Geschichte interessiert mich eigentlich sehr…

Tja und dann würde ich natürlich heimlich noch mein Kindle einpacken und noch gaaanz viele eBooks mitnehmen, vor allem leichte und superspannende Bücher, wie z.B. Sebastian Fitzeks „AchtNacht“ falls mir die anderen Bücher dann doch zu anstrengend sind… ich glaube meine Reise müsste sehr lang sein oder es dürfte dort nicht so viel spannendes zu sehen/erleben geben 😉

 

Und welche Bücher würdet ihr mitnehmen?

 

Eure Ricy

Rezension: „Flawed – Wie perfekt willst du sein?“ – Cecilia Ahern

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Titel: Flawed – Wie perfekt willst du sein? (Teil 1)
Autorin: Cecilia Ahern
Übersetzerinnen: Anna Julia Strüh, Christine Strüh
Verlag: FISCHER FJB (29. September 2016)
Seitenzahl: 480
Preis: 18,99€ (Hardcover); 14,99 (eBook)
ISBN: 978-3841422354

Hier geht’s zum Buch!

 

Der erste Eindruck: 4,5sterne
Die Story: 4Sterne
Die Charaktere: 2,5Sterne
Die Erzähltechnik:3sterne
Der Schreibstil: 3sterne
Titel und Cover:4Sterne
Mein Fazit:  3,5Sterne3,5 Sterne

Flawed ist der erste Teil von Cecilia Aherns Dystopie-Zweiteiler um die 17-jährige Celestine. Und da ich letzte Woche den zweiten Teil beendet habe, hier nun erst einmal  die Rezension zu Teil 1, den ich letztes Jahr gelesen habe.

Celestine wächst in einer Welt auf, in der sich alles darum dreht, perfekt zu sein.
Neben der Regierung hat sich daher „die Gilde“ etabliert – eine Art Moralgericht, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Menschen für „moralisch falsche“ Entscheidungen zu bestrafen. Dazu sind überall im Land „Whistleblower“ unterwegs, die fehlerhaftes Verhalten aufdecken sollen. Menschen die als fehlerhaft überführt wurden, werden nach einem eher wenig fairen Prozess mit einem „F“ gebrandmarkt und leben fortan als Menschen zweiter Klasse nach strengen Regeln und unter ständiger Beobachtung eines für sie zuständigen Whistleblowers.

Bisher hat das Celestines Leben wenig berührt. Denn einfach alles ist „perfekt“: Sie ist hübsch, beliebt, hat sehr gute Noten in der Schule und mit ihrem Freund, dem Sohn des obersten Richters der Gilde, eine blühende Zukunft vor sich. Das Vorgehen der Gilde fand sie daher grundsätzlich nicht falsch, denn Fehlerhafte, müssen ja einen schwerwiegenden Fehler, einen Verrat an der Gesellschaft, begangen haben…oder?

Doch dann trifft sie eine Entscheidung aus reiner Menschlichkeit und bricht damit eine oberste Regel: sie hilft einem Fehlerhaften. Ihr droht eine Gefängnisstrafe und vielleicht sogar eine Brandmarkung. Sie hat die Möglichkeit, zu widerrufen, das alles als ein Versehen oder einen blöden Ausrutscher darzustellen und somit einer Strafe zu entgehen. Doch sie kann einfach nicht über ihre Überzeugung, das Richtige getan zu haben, hinwegsehen und beginnt, alles was sie kannte, in Frage zu stellen.
Das hat jedoch seinen Preis und Celestine muss anfangen zu kämpfen.

Dieses Buch war plötzlich überall. Wen wundert’s? Cecilia Ahern bringt zum ersten Mal einen Young Adult (oder All-Age?) Roman heraus und dann direkt eine Dilogie! Als ich dann den Klappentext gelesen habe, wusste ich sofort, dass ich es lesen muss. Eine Dystopie! Ich liebe Dystopien!

Ich habe das Buch verschlungen. Es ist sehr leicht geschrieben und zudem total spannend. Langweilig wurde es wirklich nie. Es gab jedoch auch Vieles, das mich gestört hat.

Erzählt wird die Geschichte im Präsens aus der Ich-Perspektive von Celestine – eine Erzählform, die ich leider gar nicht mag und daher erst einmal abgeschreckt war. Nach ein paar Seiten hatte ich mich aber einigermaßen daran gewöhnt und es hat mich aufgrund der Spannung kaum noch gestört.
Was mich aber gestört hat, ist, dass  dadurch Eigenschaften natürlich oft wertend beschrieben anstatt gezeigt, Situationen schon analysiert, anstatt einfach erst einmal nur dargestellt werden.
Die Vorstellung, die der Leser von einer Person, oder einer Situation bekommen soll, wurde meiner Meinung nach somit oft irgendwie vorweggenommen, anstatt ihn seine eigenen Schlüsse aus der Handlung ziehen zu lassen. Das wirkte für mich dann oftmals eher plump. In Celestines inneren Monologen – un diese kommen sehr oft vor – werden ganze Szenen komplett rekapituliert, kommentiert und analysiert, was ich sehr oft als einfach zu viel empfunden habe. Ich hätte Celestine gerne mal zwischendurch gesagt: „Ja ich habe es auch gesehen/gehört – jetzt kannst du aufhören es mir zu erklären, ich kann selber denken!“. Das bringt die Erzählform natürlich einerseits mit sich, hätte aber vielleicht durch einen etwas weniger direkten oder erklärenden Schreibstil ausgeglichen werden können.

Das führte unter anderem auch dazu, dass ich auch die Charaktere eher wenig authentisch oder nur oberflächlich bzw. plakativ beschrieben fand. Celestine beschreibt sich selbst als sehr gute Schülerin mit einem besonderen mathematischen Verständnis, dass ihr zugute kommt, da sie darauf bedacht ist, für alles eine Lösung zu finden und immer logisch denkt. Ihre Schwester Juniper hingegen habe eine viel bessere Menschenkenntnis als sie. Das sind Informationen, die ich als eher irrelevant empfunden habe und die mir die Charaktere daher kein bisschen näher gebracht haben. Vor allem weil Celestines Entscheidungen eher „Bauchgefühlentscheidungen“ sind und ihre Handlungen vor allem emotional geprägt sind. Ich möchte den Charakter in Situationen erkennen und nicht erklärt bekommen, wie ich ihn bitte sehen soll.
Celestines Charakter habe ich als eher flach und ein bisschen sprunghaft empfunden und Carrick, den sie während ihrer Gefangenschaft (als Zellennachbar) kennen lernt ist der typische große, schweigsame und etwas miesepetrige (gut in Anbetracht der Situation ist das vielleicht angebracht) Unbekannte (mit einer ganz schlimmen Vergangenheit!). Bevor Celestine seinen Namen kennt, ist er für sie nur der „Krieger“. Ganz ehrlich, das ist ein Charakter, den ich so langsam nicht mehr sehen kann: Edward Cullen, Christian Grey…ja, ich weiß, dass das interessant macht und das kann ich auch nicht abstreiten ABER wo bleiben die netten und witzigen und „normalen“ Jungs, die auch mal das Mädchen abbekommen…gerade in Jugendbüchern? Daraus könnte man jetzt eine Gender-Diskussion starten…aber das lassen wir hier mal. Über Carrick erfahren wir sowieso noch viel zu wenig, als dass ich mir ein Urteil bilden würde. Wenn er nicht Zeuge einer Situation wäre, mit der Celestine wirklich etwas gegen die Gilde in der Hand hat, würde ich mich sogar wundern, warum er für Celestine überhaupt eine so wichtige Rolle spielt. Ich hatte jedenfalls nicht das Gefühl, dass da ein romantischer Funke übergesprungen ist…
Celestine hingegen kann ich bei ihrer charakterlichen Entwicklung im Laufe des Buches einfach nicht abkaufen, dass sie vorher nie über die Situation der Fehlerhaften nachgedacht hat, ja sogar das System mehr oder weniger unterstützt hat. Abgesehen davon, hat es mich gestört hat, dass Celestine selbst die ganze Zeit auf ihre Veränderung hingewiesen hat, also würde die Situation nicht ausreichen, das zu zeigen. Ich frage mich nur woher das plötzlich kommt.
Interessant finde ich hingegen Celestine’s Schwester Juniper, von der man bei ihrer Beschreibung eigentlich viel eher eine „rebellische“ Reaktion erwartet hätte, die sich im entscheidenden Moment aber zurückhält. Dieser Rollenwechsel, mach die Beschreibung der beiden Charaktere meiner Meinung nach wiederum unglaubwürdig. Juniper spielt insgesamt eine sehr untergeordnete Rolle in der Geschichte, was ich eigentlich schade finde.

Dass die Ereignisse wie ein Bericht mit Kommentaren erzählt werden, nimmt einem zwar das Denken ab, macht es dafür aber auch zu einer sehr spannenden und rasanten Erzählung. Die Geschichte ist kurzweilig und linear erzählt – es gibt keine komplizierten Ort- oder Zeitsprünge und man ist durch die Ich-Form direkt im Geschehen.

Die Story an sich ist meiner Meinung nach eine ziemlich originelle Idee, was auf dem Feld der Dystopien ja mittlerweile gar nicht mehr so einfach ist. Hier haben mir nur wenige Dinge gefehlt, wie z.B. die Vorgeschichte: Wie kam es dazu, dass die Gilde, die ja tatsächlich neben der eigentlichen Regierung existiert und handelt, an die Macht kam? Und wie steht die Regierung eigentlich genau dazu? Und der Rest der Welt? Die Geschichte spielt an einem Ort namens Humming, der Hauptstadt von Highland. Aber wie sieht es im Rest der Welt aus?
Das wären Dinge, die ich ziemlich wichtig gefunden hätte, um die Geschichte logisch und schlüssig zu machen. Daher gibt’s auch bei der Story einen Stern Abzug.

Das Cover finde ich nicht besonders bemerkenswert. Ich finde es wirkt etwas zu romantisch und mädchenhaft für die Geschichte. Der „Feuerkreis“, in den die Silhouette des Mädchen hineingeht, deutet jedoch gut auf das Thema des Buches hin. Den Titel finde ich klasse. Kurz und Knackig (gut, dass wir im Deutschen eine Übersetzung haben, die ebenfalls mit „F“ beginnt…Was hätten wir sonst nur mit dem Symbol gemacht?!). Der deutsche Untertitel hätte jedoch wirklich nicht sein müssen.

Insgesamt kann ich „Flawed“ jedem empfehlen, der, wie ich, nicht genug von beunruhigenden Gesellschaftsszenarien bekommen kann. Über die meiner Meinung nach fehlende Tiefe der Charaktere und den oft sehr einfachen und viel zu erklärenden Schreibstil konnte ich dank der Spannung der Geschichte sehr gut hinwegsehen. Es hat mich zwar immer wieder genervt, weglegen konnte ich das Buch trotzdem nicht und das heißt schon was 🙂

Von mir gibt’s insgesamt 3,5 Sterne!

Habt ihr das Buch gelesen? Was haltet ihr davon?

 

 

Eure Ricy

 

MusikMittwoch: Konzertbericht – Jimmy Eat World – 02.07.2017 E-Werk, Köln

Musikmittwoch neu

Hallo und herzlich Willkommen zum „Musikmittwoch“ bei Ricy’s Reading Corner – heute mit einem kleinen Konzertbericht 🙂

Am Sonntag war ich mit einer Freundin auf dem „Jimmy Eat World“ Konzert im E-Werk in Köln.
Als wir in der Schanzenstraße ankamen hatte sich bereits eine ziemlich lange Schlange vor dem Eingang gebildet und scheinbar, um der Menge das Warten auf den Einlass zu versüßen, stand auf der Treppe vor dem Eingang ein Mann mit seiner Gitarre und spielte einfach ein paar Songs. Ich fand das so toll und bin der Meinung sowas sollte es auf jedem Konzert geben. Das macht die Wartezeit definitiv angenehmer.

Direkt nach dem Einlass sind wir dann – wie immer – erstmal zum Merchandise-Stand gelaufen. Ein T-Shirt muss sein! Und das obwohl ich nur noch selten Band-Shirts trage…früher gehörte das zu meiner festen Garderobe…
Ich habe mir fest vorgenommen, dass ich irgendwann, wenn ich sie wirklich gar nicht mehr tragen sollte, oder sie so ausgewaschen oder eingelaufen/ausgeleiert sind, dass man sie nicht mehr tragen kann, daraus eine Patchwork-Decke nähen werde…aber genug dazu.

Pünktlich um acht ging’s los mit der Vorband RAZZ.

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Eine total sympathische Indie-Rock-Band aus dem Emsland.
Die Jungs gehen im Herbst auf Tour und wir haben uns sofort vorgenommen, hinzugehen, sollten sie in der Nähe spielen.
Hört sie euch mal an!

Besonders gut hat mir der Song „Black Feathers“gefallen, wobei mich der Sound irgendwie an die Band „She wants Revenge“ erinnert hat. Eine Band, die ich ebenfalls nur empfehlen kann!

Um 21 Uhr kamen dann „Jimmy Eat World“ auf die Bühne.
Laut Wikipedia (ich bin immer schlecht im genauen Einordnen von Musikrichtungen – hauptsache es klingt gut!) lässt sich die Musik ja in die Genres „Alternative Rock, Pop-Punk, Emo“ einordnen. Also eher ruhig für die Rock/Punk-Richtung. Deshalb hätte ich auch nicht mit so einer tollen Stimmung gerechnet. Gerade bei den alten Songs, z.B. vom Album „Bleed American“ schien die Nostalgie alle zu übermannen. Es war so schön: es wurde mitgesungen, getanzt und sogar gepogt.
Auch der Sänger Jim Atkins schien in Erinnerung zu schwelgen, als er betonte, dass die Band damals, 1999, ihr erstes Europa-Konzert in Köln gegeben habe.
Wie nicht anders zu erwarten, bei einer Band, die es seit 1993 gibt, und die 2001 mit „Bleed American“ eins ihrer bekanntesten Alben herausbrachte, sind die langjährigen Fans heute größtenteils so in ihren frühen Dreißigern. Ich selbst habe Jimmy Eat World mit etwa vierzehn oder fünfzehn mit dem Song „The Middle“, der da schon einige Jahre alt war, kennen gelernt. Ein Song, der mir aufgrund seiner Aussage damals wahnsinnig viel bedeutet hat – und es immer noch tut:

Hey, you know they’re all the same
You know you’re doing better on your own
So don’t buy in
Live right now
Yeah, just be yourself
It doesn’t matter if it’s good enough
For someone else.

[…]
Hey, don’t write yourself off yet.
It’s only in your head you feel left out or looked down on.
Just do your best, do everything you can.
And don’t you worry what the bitter hearts are gonna say.

It just takes some time,
Little girl, you’re in the middle of the ride.
Everything, everything will be just fine,
Everything, everything will be alright, alright.

(Jimmy Eat World „The Middle“)

Sonst habe ich tatsächlich nicht viel von ihnen aktiv gehört, aber einige Songs kannte ich natürlich schon. Ich bin jedoch eher spontan (bzw. hauptsächlich wegen The Middle) mit aufs Konzert gekommen und Frage mich nun, warum ich nicht schon viel früher mehr von der Band gehört habe.

Aber scheinbar musste man die Band auch gar nicht kennen um den Abend in vollen Zügen zu genießen. Ein Mann, der vor mir stand, meinte zum Beispiel irgendwann zu seinem Freund „Ey, ich kenne keinen einzigen Song, aber es macht mega Laune!“ – wahre Worte! So viel bewegt habe ich mich schon lange nicht mehr auf einem Konzert.

Auf „The Middle“ musste ich allerdings bis zur Zugabe warten. Vorher hat die Band einfach mal 22 Songs fast ohne Pause durchgespielt. Wahnsinn! Die gesamte Setlist habe ich als Spotify Playlist zusammengestellt. Diese findet ihr hier.

Seit dem Konzert höre ich sie rauf und runter und ich glaube ich habe eine neue (alte) Lieblingsband für mich entdeckt!

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Ich finde, ein richtig gutes Konzert erkennt man daran, dass man bei den ruhigeren Songs so sehr in Gedanken versunken ist, dass man das Gefühl hat aus einem Traum aufzuwachen, wenn sie vorbei sind – so ging es mir z.B. bei „Hear you me“ – und man dann aber, sobald schnellere Lieder gespielt werden, auch sofort wieder alle Sorgen und Gedanken abwerfen, einfach nur Spaß haben kann und sich trotz totaler Erschöpfung wünscht, der Abend würde niemals enden. Und so ging es mir hier.

Mir bleibt nichts anderes zu sagen als: Danke Jimmy Eat World für diesen wunderschönen Abend! Es war großartig!

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Eure Ricy